Behavioral Finance (Geldanlageverhalten)

 

Behavioral Finance
Money Investment decisions: The Investor as homo oeconomicus and homo ludens 



Behavioral Finance ist eine noch recht junge Betrachtungsweise des Verhaltens von Akteuren auf Geldmärkten. In diesem Forschungsfeld werden seit den 80er Jahren verstärkt verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse zur Erklärung und Vorhersage von Erscheinungen auf Geld- und Kapitalmärkten angewandt.


Die Beiträge der auf die neoklassische Ökonomie rückbezogenen Ansätze haben sich beispielsweise zur Erklärung des Geschehens auf Aktienmärkten zunehmend als ergänzungsbedürftig erwiesen. Ihre Prämissen – etwa in Bezug auf das Menschenbild der wirtschaftenden Subjekte – sind empirisch nicht oder nur teilweise gültig, jedenfalls aber unvollständig. Die verhaltenswissenschaftliche Kapitalmarktforschung wird allgemein nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung der neoklassischen Betrachtungsweise gesehen. Die Disziplin arbeitet bevorzugt auf empirischer Basis, ist aber keinesfalls eine theorielose Wissenschaft. Hauptmerkmal ist der Versuch der Integration von psychologischen und ökonomischen Erkenntnissen.



Zu den Hauptvertretern der Behavioral Finance zählen u.a. Barber, DeBondt, Kahneman, Odean, Shefrin, Shiller und Twersky. Die Relevanz des Forschungsfeldes wird unterstrichen durch die Vergabe des Nobelpreises im Jahre 2002. Der von der Schwedischen Reichsbank in Erinnerung an Alfred Nobel gestiftete Preis für Wirtschaftswissenschaften ging zuletzt an Daniel Kahneman von der Princeton University “for having integrated insights from psychological research into economic science, especially concerning human judgment and decision-making under uncertainty” Kahneman teilt sich die Auszeichnung mit Vernon Smith von der George Mason University “for having established laboratory experiments as a tool in empirical economic analysis, especially in the study of alternative market mechanisms“. Daniel Kahneman und der Psychologe Amos Tversky haben mit ihren Arbeiten über systematische Rationalitätsabweichungen die Managementwissenschaft, die Investmentforschung sowie Forschungen zum Verbraucherverhalten stark beeinflusst.

Der Psychologe und Ökonom Daniel Kahneman hat die Erkenntnisse beider wissenschaftlicher Disziplinen in seinem umfangreichen Werk kombiniert. Dabei analysierte er das Entscheidungsverhalten von Menschen in wirtschaftlichen Situationen. Er stellte fest, dass es häufig von herkömmlichen Wirtschaftstheorien über das angeblich rationale Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer abweicht.

Vernon L. Smith wurde 1927 in Wichita, im US-Bundesstaat Kansas geboren. Seine Promotion in Wirtschaftswissenschaften absolvierte er 1955 an der Harvard Universität. 1995 wurde er in die Nationale Akademie der Wissenschaften berufen. Smith war als Berater für die Privatisierung der staatlichen Stromversorger Australiens und Neuseelands tätig. Seit 2001 ist er Professor für Wirtschaftswissenschaften und Recht an der George Manson Universität im US-Bundesstaat Virginia.

Am Transatlantik-Institut läuft im Kontext der Behavioral Finance derzeit das Forschungsprojekt „Money Investment decisions: The Investor as homo oeconomicus and homo ludens“. Wir untersuchen, welche Gründe private Investoren dazu veranlassen, ihr Geld am Kapitalmarkt anzulegen. Diese Fragestellung ist keinesfalls trivial. Es gibt beachtliche empirische Evidenz, dass sogenannte ökonomische Motive wie Renditeerzielung, Altersvorsorge oder Gewinne keinesfalls die einzigen Motive sind. Auf Grundlage einer bevölkerungsrepräsentativen Erhebung in Deutschland aus dem Jahre 2002 lassen sich noch zahlreiche andere Motive nachweisen. Deren Stellenwert ist keineswegs zu vernachlässigen. Im Rahmen des Projektes wird aufgezeigt, dass Geldanlageentscheidungen auch als Spiele unter Risiko und Unsicherheit, mitunter sogar als Glücksspiele interpretiert werden können. Der private Investor als homo ludens?


Im Juni 2003 wurde das Thema vor Wissenschaftlern auf der 12. th International Conference on Gambling & Risk-Taking“ in Vancouver vorgestellt. Im September 2003 wurden die Ergebnisse auf der dritten Tagung der Fachgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie sowie der Markt- und Werbepsychologie präsentiert. Auf Einladung des „Forum Philosophie & Wirtschaft e. V.“ der Universität Mainz dikutierte Herr Prof. Raab im Juni 2005 mit Reiner Manstetten, Andreas Suchanek, Helmut Klages und anderen über das Thema „Homo oeconomicus vs. homo ludens“ auf der Tagung „Homo oeconomicus – Ein neues Leitbild in der globalisierten Welt?“ im Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen.


Downloads: Pressemitteilung


Steckbrief:


Kooperative Projektverantwortung: Prof. Dr. Gerhard Raab, Dr. Michael Neuner
Kooperative Leitung: Prof. Dr. G. Raab, Dr. Michael Neuner
Kontakt: Prof. Dr. G. Raab, Tel.: 0621-5203-440
Laufzeit: ab Februar 2002
Finanzierung: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft; Sparkasse.